Hygienekonzept Winter 20/21

Empfehlungen für Unternehmen im Landkreis Starnberg, um gut durch den „Corona-Winter“ zu kommen.

 

 Die Empfehlungen beruhen auf einem Gespräch mit Dr. Thomas Weiler, Chef der Starnberger Kliniken. Er ist während der Pandemie ärztlicher Leiter der Krankenhauskoordinierung in den Landkreisen Starnberg, Dachau, Fürstenfeldbruck und Landsberg.

 

Aktuelles Hauptrisiko: Wenn im Großraumbüro einer infiziert ist, kann es sein, dass alle ebenfalls im Raum befindlichen Kollegen in Quarantäne müssen.

Lösung: Abstand und konsequentes Durchlüften alle 20 Minuten kann dieses Risiko deutlich minimieren.

 

Liebe Unternehmerinnen und Unternehmer,

keiner von uns kann das Thema Corona mehr hören. Aber es gibt neue Erkenntnisse bei den Forschern und Medizinern und die geben wir Ihnen in aller Kürze hiermit weiter, damit Sie die Organisation Ihrer Firma und die benötigten Hygienekonzepte daran anpassen können.

In der ersten Welle waren Tröpfchen- und Schmierinfektionen ein Schwerpunkt-Thema.

Dies hat man durch das Tragen von Masken gut in den Griff bekommen. Das Kernthema für diesen Winter sind Aerosole. Und auch die Erkenntnis, dass das Gesundheitsamt verpflichtet ist, alle Personen umgehend in Quarantäne zu schicken die mit einer infizierten Person länger als 30 Minuten in einem Raum (z.B. Großraumbüro oder Produktionshalle) waren, wenn nicht ausreichend gelüftet bzw. geeignetes Lüftungskonzept – selbst wenn Mund-Nasen-Schutz getragen wurde und alle 2 m Abstand hatten. Diese Tatsache kann für so manches Unternehmen kritisch werden.

 

Es sind derzeit 3 Hauptwege der Infektion bekannt:

 

  1. Klassische Tröpfchen Infektion

Das Risiko kann, wie alle wissen, durch mind. 1,5 m Abstand, Hygiene (Händewaschen, Niesen in die Ellenbeuge etc.) und Mund-Nasen-Maske deutlich reduziert werden. Das kennen alle hinreichend und daran halten sich die meisten.

 

 

  1. Schmierinfektionen

Die Tröpfchen werden vor allem auf Oberflächen abgegeben, wenn man ohne Maske unterwegs ist und spricht, singt, nießt etc. Eine aktuelle Studie bestätigt, dass das Virus sich auf Papier und Metalloberflächen bis zu 28 Tage halten kann.

 

Durch das Tragen der Maske konnten die Schmierinfektionen z.B. am Griff des Einkaufswagens, verringert werden. Das Virus muss dann auch erst auf die Hände gelangen und von dort weiter in die Schleimhäute (Mund-, Nasen-, Augenbereich). Die Anzahl der Viren muss für eine Infektion ausreichend hoch sein. Und man weiß inzwischen: je mehr Viren, desto schwerer der Krankheitsverlauf und dementsprechend mildere Krankheitsverläufe bei geringerer Virenkonzentration.

 

 

  1. Aerosole – das ist das Thema für diesen Winter – Lüften, Lüften, Lüften!

Damit meint man das Einatmen von kontaminierter Luft und die Ansteckung über die Nasenschleimhaut. Aerosole sind Mikrotröpfen die das Virus tragen können und die sich stundenlang in der Luft halten können.

 

Man geht davon aus, dass derzeit über 50% der Ansteckungen über Aerosole verlaufen – daher kommt oft die Aussage, dass keiner genau weiß, wo er sich angesteckt hat. Das erklärt, dass die Krankheitsverläufe in der zweiten Welle häufig etwas milder sind, da man eher über Aerosole Viren aufnimmt als über Tröpfcheninfektionen und somit über die Aerosole weniger Viren aufnimmt.

 

In Ischgl und beim Après Ski handelte es sich aus heutiger Sicht um Aerosol-Infektionen. Jemand, der singt, verteilt so viele Aerosole, wie 30 Menschen beim Sprechen.

 

Mit diesem Wissen kann man Räume nun besser organisieren. Frischluftanlagen und Lüften sind hier gefragt. Umluftanlagen sollten vermieden werden, da diese, wie der Name sagt, die Raumluft nur umwälzen. Frischluftanlagen sind energetisch aufwändiger – aber nur das hilft, die Aerosolkonzentration zu senken.

 

Raumluftreiniger sind die Alternative, wenn es keine Frischluftanlage gibt. Diese reinigen idealerweise zuerst mit Hepafiltern H13 und dann mit UV-Lampen. Die Kapazität der Geräte sollte so beschafften sein, dass das Raumluftvolumen jede Stunde 6x gereinigt wird. Das Virus kann alleine nicht fliegen, es braucht dazu ein Aerosol um transportiert zu werden – und dieser Filter hält das Aerosol zurück und damit auch das Virus.

 

Alle 20 Minuten muss eine vollständige Stoßlüftung für den ganzen Raum erfolgen.

 

Das große Risiko ist für Unternehmen folgendes Szenario:

 

In einem Großraumbüro sitzen 4 Personen – alle mit über 2 m Abstand und keiner hat eine Maske auf. Da es draußen kalt ist, wird nicht alle 20 Minuten durchgelüftet. Wenn eine Person infiziert ist, dann werden auch die anderen drei Kollegen in Quarantäne geschickt.

 

Es hätte auch nichts geholfen, wenn alle eine einfache Nase-Mund-Maske getragen hätten, da diese nicht ausreichend gegen Aerosole beim Einatmen filtern und man an den Rändern die kontaminierte Luft ansaugt.

 

Das konsequente Lüften alle 20 Minuten hätte die Kollegen evtl. vor Quarantäne geschützt – selbst wenn keine Masken getragen wurden und aber alle über 2m Abstand halten. Wenn nicht gelüftet werden kann, dann hätte nur das konsequente Tragen von dicht abschließenden FFP2/FFP3 Masken etwas gebracht.

 

Das Lüften geht im Winter besonders gut, da die warme Luft sich zügig mit der kalten austauscht.

 

So wird die Organisation eines Großraumbüros empfohlen:

 

  • Im Büro so weit wie möglich auseinander sitzen, mindestens 2 m Abstand zwischen allen Kollegen.
  • alle 20 Minuten Stoßlüften für ca. 3-5 Minuten
  • leistungsstarke Frischluftanlage bzw. Raumluftreiniger
  • Spritzschutz durch hohe Plexiglasscheiben, z.B. wenn sich zwei Personen gegenübersitzen, oder am Empfangstresen. Diese Scheibe sollte mindestens 2 m hoch sein, damit sie auch im Stehen schützt.
  • Mund-Nasen-Schutz tragen sobald man seinen Arbeitsplatz verlässt.

 

Je konsequenter Sie diese Maßnahmen umsetzen, desto besser sind die Chancen, dass nicht alle betroffenen Mitarbeiter durch das Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt werden und damit in der Firma weiterarbeiten können.

 

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen weitergeholfen zu haben und drücken Ihnen die Daumen, gut und gesund durch diesen Winter zu kommen.

 

Ihr

 

Martin Eickelschulte, IHK Regionalausschuss Starnberg

 

Mit Unterstützung von:

 

Stefan Frey, Landrat Starnberg

Michael Padberg, UWS

Ludwig Gansneder, Kreishandwerksmeister

Christoph Winkelkötter, gwt

 

Dieser Text ist mit dem Gesundheitsamt Starnberg abgestimmt.

 

 

 

Anbei zwei weiterführende wichtige Artikel für Sie:

 

Lesen Sie diesen Artikel, um zu verstehen, wie Sie Ihr Büro oder Produktionsstätte richtig organisieren bzw. lüften:

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/2546/dokumente/irk_stellungnahme_lueften_sars-cov-2_0.pdf

 

 

Lesen Sie diesen Artikel, um zu verstehen, wie das Gesundheitsamt Kontaktpersonen definiert und bei wem welche Maßnahmen angeordnet werden:

 

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Kontaktperson/Management.html;jsessionid=CA0F4FFEAD61412ACF07024CD5F9DD5F.internet071#doc13516162bodyText8